Der Walzer

Musik entfesselt in uns ungeahnte Triebe und Kräfte.

Seit Jahrtausenden hat die Musik eine Magie. Ihr Rhythmus ist der Zauberschlüssel zur Seele des Menschen. Musik unterhält, führt in Traumwelten, läßt uns Gefühle erleben, die vielleicht sonst fremd und unerreichbar bleiben. Musik verbindet uns mit der Welt.

Den Komponisten der Welt war das Schreiben von Tänzen und Divertimenti selbstverständlich.
So hat z.B. Bach hat den Tanzrhythmus nicht gescheut. Ja, die Sarabande, die Gavotte oder Pavane, Bourree oder Gigue sind Teil seiner Musik.


Die Ungarischen Tänze und die Liebesliederwalzer von Johannes Brahms.
Die kunstvollen Walzer von Johann Strauss Vater und Sohn.
Gustav Mahler ließ in etlichen Symphonien den Ländler Einzug halten.
Erst im späten 19. Jhr. begann eine Klassifikation zwischen Unterhaltungsmusik und ernster Musik. Haydn, Mozart, Beethoven Schumann, Schubert und Chopin hätten sich je nach Temperament darüber amüsiert oder geärgert.

Menuett und Walzer, Volte, Länder und Deutscher sind Tänze im Dreivierteltakt. Verschieden im Zeitmaß, im Tempo und in den Betonungen, aber doch irgendwie miteinander verwandt durch die Dreizahl. In Europas Musik gibt es mit wenigen Ausnahmen, wie etwa den Basken und balkanischen Gruppen, zwei Grundtypen des Taktes: den geraden und den ungeraden, den Zweitakt und den Dreivierteltakt. Getanzt werden kann nach beiden, doch besteht zwischen ihnen ein wesentlicher Unterschied. Zweizeitige Tänze stammen aus dem Schreiten, bei dreizeitigen hingegen muß die Choreographie eine gewisse Unregelmäßigkeit, auch wenn wir sie so nicht empfinden, in Bewegung umsetzen, in ein tänzerisches Maß.

Die Zahl drei wurde im Mittelalter als Zeichen der Vollkommenheit empfunden. Die Musiktheorie weißt dem Dreizeit Takt das Zeichen des Kreises zu, und der Kreis ist die vollendetste geometrische Figur. Hingegen ist der gebrochene, der Halbkreis, dass Zeichen des Zweizeiten-Taktes, auch heute noch.

Der Kreis gerät in Bewegung, wird zum Kreisen. Wir sind bei der Bewegung des Walzers angekommen, die zudem eine doppelte Kreisbewegung ist. Das Walzerpaar dreht sich um die eigene Achse und dreht sich rund um den Raum. Im Walzer vollzieht sich die Bewegung der Erde nach. Rund um sich selbst und auf peripherer Bahn rund um einen angenommen Mittelpunkt.

Mit dem ersten Heraustreten des Menschen aus dem Schreiten im Tanz, das zum Hüpfen, zum Laufen, zum Springen werden kann, aber stets im Zweitakt erfolgt (der Mensch hat zwei Beine), kommt eine gewisse Unregelmäßigkeit der Bewegung.
Dies kann sehr wohl zu Anfang derb wirken, wenn wir etwa an die Bauerntänze denken, wie sie Breughel gemalt hat, aber sie führt in Vollendung, im Walzer also, zum schwerelosen Drehen, zum wiegenden Füße setzen, zum Schweben des Paares für einen Moment. Sie verleitet zum Verlassen der materiellen, der materialistischen Grundlage, zum Entgleiten aus der Erdenschwere, zu einem Hineindrehen in höhere Räume, zu einem Verlassen des Bodens, und spiele sich dieses dann auch nur in der Phantasie, im Rausch des Momentes, im Traumzustand ab.

Und so sind Walzer und Traum einander aufs engste verwandt.
Grundsehnsüchte des Menschen finden im Walzer ihre Erfüllung: Eros, Vergessen, Verwandlung, Entfesselung.

Geben wir uns dem Schweben miteinander, auch dem träumerischen Schweben hin, lassen wir es so oft wie möglich alles Walzer sein.